SCRUM in der Software Entwicklung - meine persönliche Meinung
SCRUM, es ist in aller Munde. Es geistert zusammen mit Agile Development und Lean Production als Wunderwaffe durch die Branche. Was genau Scrum ist möchte ich nicht erklären, dazu gibt es genügend Doku im Netz. Was es jedoch weniger gibt sind Erfahrungsberichte.Scrum ist eigentlich eine Sammlung guter Ideen, wie man produktiv zusammen arbeiten kann, so würde ich das beschreiben. Man entwickelt im Team, setzt sich zusammen, klärt ab ob jemand Probleme hat und weiter gehts. Bevor jemand voreilig schreit: "fertig", muss er ein paar Dinge beachten. Doku, Unit Tests, usw.. alles fertig. Gut, dann ist der Punkt wirklich fertig. Alle paar Wochen wird die Arbeit konsolidiert und der Stand präsentiert. Ein guter Zeitpunkt um sich mal auf die Schulter zu klopfen (Shippable Product each Sprint).
Ansich alles gut, wenn da nicht das Management wäre. Menschen, die völlig über ihrer Kompetenz immer mitreden wollen. Menschen, die Time over Scope nicht verstanden haben und immer Druck machen. Entwickler, die sich gegen alles "neue" sträuben und generell mit "ach, lass mich mit dem Scheiß in Ruh'..." reagieren. Das sind u.a. Probleme mit denen man zu kämpfen hat.
Scrum macht m.E. nach dann sehr viel Sinn, wenn man es konsequent durchzieht. Dabei gibt es mehrere Gefahren. Eine davon ist die mangelnde Disziplin. Ein Satz, den ich ach zu oft gehört habe ist: "Ja, dann machen wir das eben etwas anders". Nein, falsch! Wenn wir alles etwas anders machen, dann funktioniert es nicht mehr. Punkt!
Eine weitere Gefahr ist die Transparenz. In der Wasserfallorganisation hatte man sich nur gegenüber dem Projektleiter zu rechtfertigen. Der hatte üblicherweise keine Ahnung von der wirklichen Arbeit und konnte daher nicht einschätzen was passiert ist. D.h. man kann mit irgendwelchen Argumenten Fortschritt vortäuschen oder irgendwelche Probleme und Gründe erfinden warum es nicht weiter geht. Das kam so gut wie nie raus.
Scrum ist anders, jetzt steht man jeden Tag vor seinem eigenen Team und muss ein Statement abgeben. Es kommt sehr schnell raus, wer langsam und wer schnell arbeitet. Jeder erkennt nach kurzer Zeit, wer einfach nur faul ist und wer vielleicht sogar den falschen Beruf gewählt hat. Diese Transparenz stellt hohe Ansprüche an die Teamfähigkeit und die Teamtoleranz. Immerhin gibt es keine persönliche Bewertung mehr, sondern nur noch Teams werden bewertet. Das gibt genügend Zündstoff für Reibereien, wenn z.B. das faule Ei die Bonuszahlung für die restlichen Teammitglieder ruiniert.
Die Teamzusammenstellung ist ein weiterer Stolperstein. Scrum funktioniert, wenn Experten zusammen arbeiten. Leider hat es sich eingebürgert, dass in Firmen gar nicht mehr so sehr auf die Skills der einzelnen Personen geschaut wird. Da werden Leute zusammen gewürfelt, egal ob sie für die Aufgabe geeignet sind und egal ob das Team menschlich zusammen passt. Sowas wird schnell zur Zeitbombe.
Der kritischste Punkt ist jedoch das Management. Scrum setzt auf eine "empowertes" Team. D.h. das Team entscheidet selbstständig, welche Punkte es sich vom Backlog Stapel krallt und bearbeitet. Oft sieht der Backlog jedoch so aus, dass dort 10 Punkte zu finden sind, alle Prio 1 und alle müssen mit zu einem bestimmten Datum erledigt sein. Tja - Setzen 6 lieber Product Owner, das ist kein Scrum.
Geht man die Hierarchie weiter hoch, dann merkt man schnell, dass Scrum da irgendwie aufhört. Kein Scrum of Scrum. Keine Teams of Ten, die sich um Probleme kümmern und die Lösungen in die Teams darunter tragen. Da gibt es dann weiterhin Taskforces, Roundtables, Warrooms...
Nur, warum? Die Antwort ist einfach. Die hohe Transparenz die Scrum einfordert wird zunehmend gefährlicher je höher man die Managementleiter hinauf klettert. Da könnte man keine krummen Dinge mehr drehen und nicht mehr frei Schnauze agieren. Quasi ein Machtverlust.
Ich als Entwickler hoffe inständig, dass wir es schaffen diese Probleme auszuräumen. Dass wir es schaffen Scrum, Lean usw. bis in die höheren Hierarchien zu treiben und es schaffen Scrum so zu leben, wie es von den Machern gedacht war. Und dass wir langfristig wieder kleine Teams mit Experten haben, die nach Skill und Fähigkeit bezahlt werden und nicht nach Argumentationsstärke, Auftreten, Ego und Positionsbeschreibung.
Nur, bis jetzt hat unsere Personalabteilung noch nich einmal eine Antwort darauf, wie die zukünftigen Karrierepfade aussehen könnten...
Soviel zum Lebem im Chaos einer Scrum Einführung. Manchmal muss man Scrum einfach rückwärts lesen. Just my 2 cent und ich bin gespannt wie das alles hier weiter geht.






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